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Schoko-Muffins und Laugencroissants, die ich mir sonst gerne vor der Arbeit hole, müssen sofort aus dem Kopf eines Hartz IV Empfängers verbannt werden, denn für solch einen Luxus ist kein Platz im Essens-Budget eines Hartz IV-Empfängers. „Und nur über das verfüge ich in der nächsten Woche“, denkt Edgar. „Fünf Tage lang wage ich das Experiment und versuche, mich von maximal 4,25 Euro täglich zu ernähren.“ Und hier stellte Edgar folgende Tatsachen fest! Der Test beschränkte sich dabei nur auf die Probleme und Hausforderungen, die durch das knappe Essens-Budget entstehen. Wie sich das restliche Leben mit dem Hartz IV-Regelsatz gestaltet, kann und wollte Edgar damit gar nicht herausfinden.
Am Wochenende suchte Edgar deshalb den Discounter seines Vertrauens auf und kaufte nach dem Konzept von Thilo Sarrazin ein. Im Kopf hätte Edgar die Rechnung nur überschlagen und so nicht auf jeden Cent achten können. Und wann Edgar die restlichen 270 Gramm Leberkäse essen soll, ist ihm auch nicht klar. Jedenfalls nicht in den nächsten zwei Tagen, denn auf Resteverwertung wird in Sarrazins Plan nicht eingegangen.
Das nächste Problem tauchte auf! -Keine Single-Portionen erhältlich-
Ähnliche Probleme stellten sich Edgar auch bei Butter, Tomatensauce und Hackfleisch. Zwar konnte er hier einfacher herunterrechnen, dass 100 Gramm tatsächlich nur 38 Cent kosten, doch leider war weit und breit kein Paket in dieser Größe zu finden. Also nahm Edgar 500 Gramm. Vielleicht kann er Ende der Woche eine Mahlzeit aus Leberkäse und Hackfleisch zusammenstellen? Falls das bis dahin noch nicht verdorben sein sollte. Eine individuell abgewogene Portion vom Metzger könnte er sich als Hartz IV-Empfänger jedenfalls nicht leisten. Hier würde sie 70 bis 80 Cent kosten, also rund doppelt so viel.
Zumindest der Apfel fürs Frühstück war einzeln erhältlich.
Als Edgar schließlich zu Hause die Kassenzettel ansah, kommt schnell die Ernüchterung: 10,47 Euro hatte er insgesamt ausgegeben. Und damit waren nur die Zutaten für Tag eins besorgt. Zwar kostet eine Scheibe Käse tatsächlich nur 25 Cent, die ganze Packung dann aber 2,19 Euro. Von seinen Einkäufen könnte Edgar nach dem Montags-Plan von Sarrazin eine ganze Familie bekochen. Da Edgar aber nicht Oberhaupt eines fünfköpfigen Haushalts ist, sondern in die Kategorie "Ledig, Single, keine Kinder" fällt, hatte er sich einen Nahrungsvorrat für mindestens eine Woche besorgt. Er musste also wirklich schon mal überlegen, wie er die restlichen Zutaten verwenden würde. Und das möglichst ohne noch einmal das Gleiche zu kochen, schließlich hat Herr Sarrazin ausgewogene Ernährung versprochen. Drei Mal die Woche Spaghetti Bolognese passen da sicher nicht ins Konzept. Eine weitere Erkenntnis folgte auf dem Fuße! Das Geld reicht nur für Wasser aus der Leitung. Das erste Frühstück war unerwartet umfangreich, für Edgars Geschmack sogar fast zu viel für den frühen Morgen. Zwei Brötchen für je 15 Cent mit Marmelade, Butter und einer Scheibe Käse standen auf dem Tisch. Dazu ein Apfel für 24 Cent, ein Glas Saft (der mit 30 Cent das teuerste an diesem Morgen war) und zwei Tassen Tee. Viel trinken war auch notwendig, schließlich wird die Flüssigkeitszufuhr in Sarrazins Plan bis auf einen Kaffee am Nachmittag nicht bedacht. Um Edgars Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht zu halten, musste er also auf Leitungswasser zurückgreifen. Laut Sarrazin ist das kein Problem; er lobt die Qualität des "Deutschen Leitungswasser". Angeblich trinkt er es sogar selbst. Edgars erstes Mittagessen nach dem Hartz IV-Plan war eigentlich ein Abendessen. Da er aber nun einmal nicht wirklich arbeitslos ist und mittags keine Zeit zum kochen hat, hat Edgar die Gerichte kurzerhand umgedreht. Das Mahl hat ihm zunächst die wichtige Erkenntnis verschafft: „Eine halbe Salatgurke ist ziemlich viel!“
Also die Gerichte des Herr Sarrazin machen satt, aber es bleibt viel liegen, war die wichtige Erkenntnis Edgars nach diesem ersten Menü. Das Abendessen besteht aus Spaghetti Bolognese, hier wird das viel diskutierte Hackfleisch verwendet. Nach Tag eins konnte er also festhalten: „Ich bin satt und nicht unzufrieden. Obwohl ich gegen einen kleinen Nachtisch nichts einzuwenden hätte. Allerdings habe ich nach dem ersten Tag noch Unmengen von Hackfleisch, Leberkäse und Tomatensauce übrig, die im Laufe der Woche verzehrt werden müssen. Und obwohl ich eigentlich sogar unter dem vorgegebenen Budget von 4,25 geblieben bin, habe ich de facto schon mehr als zehn Euro ausgegeben. Ob ich es schaffe, alle Reste so zu verwerten, dass ich das Geld auf die restlichen Tage umlegen kann, bleibt also abzuwarten.“ „Wer ist eigentlich der Herr Sarrazin“, dachte sich Edgar, aber dazu einiges in der nächsten Story.
© Jacques Lupus
Die Geschichte wurde auf Wunsch von Jacques Lupus auf e-Stories.de aufgenommen - Vielen Dank! Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte. Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.04.2008. - Infos zum Urheberrecht
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