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Jacques Lupus

Sohn dieser Stadt

 

Sohn dieser Stadt oder was ist eine Jugendfreundschaft wert?

 

© copyright by Jacques

Lupus

 

 

Vor einem ganzen halben Jahrhundert hatte Edgar einen Schulfreund. Viele Stunden verbrachten sie gemeinsam. Sogar in das gleiche Mädchen waren sie verliebt. Dazu hatte Edgar ein sehr gefühlvolles Gedicht geschrieben. Er nannte es

 

 

Freunde für´s Leben

 

Wir gingen zusammen zur Schule und wurden Freunde.
Wir lernten gemeinsam, begriffen gemeinsam Zusammenhänge,
und wir verbrachten gemeinsam viele Stunden unserer Freizeit.

Und wir liebten das gleiche Mädchen!

Die gemeinsame, unerfüllte Liebe verband uns noch mehr.

Maria blieb für uns unerreichbar, obwohl die Chance,
sie zu besitzen, schon gegeben war. Für uns beide!

Unsere Wege trennten sich, nachdem wir ein Zertifikat
in der Tasche trugen; wir unsere Reife nachgewiesen hatten.

Das Glück blieb mir holt!
Andreas studiert an der Kunstakedemie und wird
Bildhauer in einer verträumten, kleinen Stadt Deutschlands.
In Quedlinburg im Norden des Harzes steht sein Lebenswerk:
"Lustige Musikanten spielen auf!" ... in Bronze gegossen.

Maria studiert Verkehrstechnik in der Stadt,
in der ich die Gesetze der Elektrotechnik begreifen lerne.
Weitere fünf Jahre darf ich in ihrer Nähe sein.

Andreas ist weit entfernt!

Ich bin Maria sehr nah und doch wahre ich nicht die Chance,
sie für immer zu besitzen.
Lag es daran, dass ich ihr zwar stets sehr nahe war,
aber Andreas in ihrem Geist viel näher lebte?

Wir bekamen sie beide nicht, wurden aber Freunde
für´s Leben. So soll es auch bleiben....

 

 

 

Ganze fünfundvierzig Jahre war das her! In den Klassentreffen, die zyklisch stattfanden, merkte Edgar, dass die Jugendfreundschaft wohl in Vergessenheit geraten war, denn sein Freund Andreas hatte keine Zeit, Edgars Konversation zu erwidern. Sogar ein wenig Häme spürte Edgar in seinen Worten, denn bei einer Präsentation, in der Edgar nun einmal ungewollt im Mittelpunkt stand, machte Andreas für Edgar schon beleidigende Bemerkungen. Dabei war die Freundschaft eigentlich in der Jugend sehr schön verlaufen. Gemeinsame Radtouren und Wanderungen hatten diese Freundschaft stabilisiert. Viele Stunden waren vergangen, und die Freundschaft war weiter gewachsen. Zuletzt hatte Edgar Ende der neunziger Jahre Andreas zu Gast.
Aber schon hier war erkennbar, dass sich die Jugendfreunde nichts mehr zu sagen hatten. Nach einem schönen Abend bis in die Nacht hinein hatte die Jugendfreunde der sechziger Jahre gefeiert. Es war dabei Nacht geworden. Andreas hatte zusammen mit Franz das Gästezimmer belegt. Ohne weitere erkennbare Notwendigkeit erklärte er Edgar: „Wenn nicht Gudrun und deine Frau gewesen wären, wär dieses Treffen wohl recht sinnlos geworden!“
Beleidigt zog sich Edgar zurück! Seitdem war eine Art Funkstille zwischen den Freunden eingetreten, die sich auch nicht wieder stabilisieren sollte. Kühl, fast schon wie Fremde, gingen die Jugendfreunde aneinander vorbei. Die Jahre vergingen. Edgar hatte mit seiner Familie und seinen Freunden seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert. Sogar eine Anzeige war in der Lokalzeitung erschienen. Edgars Mutter liest gern die Zeitung und stöbert dabei alles Wichtige herbei. „Sag mal Edgar?“ fragte sie. „Ist das nicht der Andreas Pfaff aus deiner Schulzeit, der hier abgebildet ist! Er erkannte auf dem Bild seinen Schulfreund Andreas wieder!
Andreas hatte in der Stadt der gemeinsamen Schulzeit eine Kunstausstellung.
„Schön für ihn!“ dachte sich Edgar und legte das Lokalblatt wieder zur Seite. Damit war der Fall eigentlich für ihn abgeschlossen, denn Edgar hatte mit der Kunst von Andreas nichts am Hut. „Zu schwer, zu kompliziert“, dachte sich Edgar.
„Da sollen mal die Kunstexperten hingehen!“

Das Telefon klingelt und am anderen Ende erkennt Edgar die Stimme einer Jugendfreundin eben aus dieser Zeit: „Wieso warst du nicht bei der Eröffnung der Ausstellung von Andreas? Wir haben fest mit dir gerechnet!“
„Ich hatte keine Einladung“, antworte Edgar, schwatzte eine ganze halbe Stunde mit seiner Jugendfreundin und verabredete sich mit ihr auf einen Kaffee.

 


Edgar öffnete sein E-Mail-Account und fand eine E-Mail von Maria, der gemeinsamen Jugendfreundin aus vergangenen Jahre.
„Wieso warst du nicht zu Andreas Ausstellung? Du bist ihm wohl böse?“ war der Wortlaut der E-Mail von Maria. „Erstens war ich nicht eingeladen und zweitens: Warum sollte ich ihm böse sein?“ antworte Edgar Maria per E-Mail. „Außerdem interessiert mich seine Kunst nicht und Andreas als Schulfreund auch nicht! Unter Freundschaft verstehe ich schon etwas anderes.“

 

Erneut klingelt das Telefon und Edgars Geschäftspartner Erich meldet sich: „Sag wo warst du zur Eröffnung der Ausstellung von Andreas?“

„Keine Zeit“, antworte Edgar, und er dachte sich:  
                 „Da sollen mal seine Freunde hingehen.“

 

 

Um Freunde zu haben, muss man selbst ein Freund sein!

Damit beendete Edgar endgültig seine Jugendfreundschaft mit Andreas...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diese Geschichte liegen beim Autor (Jacques Lupus).
Die Geschichte wurde auf Wunsch von Jacques Lupus auf e-Stories.de aufgenommen - Vielen Dank!
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.08.2008. - Infos zum Urheberrecht




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Dieses Buch ist ein Teil meines Lebens, das ich schrieb, als ich gerade mein zweites Kind verloren hatte. Bis dahin war mir unbegreiflich, warum es gerade immer mich traf, dieses viele Pech und Unglück. Mir alles von der Seele zu schreiben, war eine große Erleichterung für mich, zu vergleichen mit einer Therapie. Es half mir einfach . In dem Moment , als ich alles Erlebte niederschrieb, durchlebte ich zwar alles noch einmal und es schmerzte, doch ich hatte mir alles von der Seele geschrieben und fühlte mich erleichtert. Genau dieses Gefühl, möchte ich an Leser heranbringen, die auch vom Pech verfolgt sind, damit sie sehen, das es trotzdem doch immer weiter geht im Leben. Ebenso möchte ich es an Menschen heranbringen, die nicht soviel Pech im Leben hatten, aber sich gar nicht mit anderen Sorgen von Fremden belasten wollen. Und wenn es nur ein einfaches Gespräch oder ein guter Rat ist, das hilft schon sehr viel.

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